Grußwort und Eröffnung des Rehabilitations-Forums 2018

Grußwort von Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, beim Rehabilitations-Forum der Deutschen Rentenversicherung Bund am 29. Oktober 2018

Gundula Roßbach Gundula Roßbach Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund Quelle: Deutsche Rentenversicherung Bund

Hinweis: Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Flecken,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,
meine sehr geehrten Damen und Herren

ich begrüße Sie herzlich zum 17. Reha-Forum der Deutschen Rentenversicherung Bund.

In diesem Jahr beschäftigen wir uns mit der Frage „Was bedeutet Digitalisierung für Rehabilitation?“ Das aktuelle Thema, das – wie ich sehen kann – großes Interesse geweckt hat. Die vollen Reihen freuen nicht nur mich, sondern alle Mitwirkenden und das gesamte Organisationsteam, bei dem ich mich schon jetzt ganz herzlich bedanke für Ihr unermüdliches Engagement.

Lassen Sie uns einen Blick hinter den Vorhang werfen:

Digitalisierung allgemein

Digitalisierung – digitaler Wandel – digitale Transformation – digitale Revolution – künstliche Intelligenz – BIG Data...
All diese Begriffe hören und lesen wir tagtäglich ebenso wie wir ganz selbstverständlich unser Smartphone nutzen und im world wide web unterwegs sind. Aber haben wir schon verstanden, was Digitalisierung oder digitaler Wandel denn konkret für unser geschäftliches oder privates Umfeld in Zukunft bedeuten wird? Oder anders gefragt: was erwartet uns?

Gehen wir nun zum Ausgangspunkt:

Rein technisch betrachtet ist Digitalisierung das Umwandeln von analogen Werten oder Daten in digital nutzbare Formate. Einfacher ausgedrückt könnte man sagen: Am Anfang steht der Austausch von Papier gegen Technik, im Privaten ein einfaches Beispiel: der Ersatz des Einkaufzettels durch eine App. Aber Digitalisierung bleibt dabei nicht stehen und ist viel mehr als das! Denn wir verstehen darunter auch die verstärkte Nutzung digitaler Techniken im öffentlichen Leben, der Wirtschaft und im privaten Alltag zum Beispiel durch Vernetzung digitaler Endgeräte hin zu lernender künstlicher Intelligenz.

Die begegnet uns schon heute im Alltag:

  • Intelligente Sprachübersetzungsprogramme
  • Musikstreamingdienste mit dem Mix der Woche
  • Bilder Sortieren mit automatischer Bildanalyse
  • In Echtzeit Navigieren…

Digitalisierung ist aber nicht nur Technik, sondern betrifft die gesamte Gesellschaft und ist Auslöser eines Kulturwandels, den wir alle seit geraumer Zeit deutlich spüren. Wir sind insbesondere als Kunden und Nutzer längst Teil des digitalen Wandels oder digitaler Transformation. Und es betrifft alle Lebensbereiche. Digitalisierung verändert durch neue, digitale Technologien die zugrunde liegenden Abläufe und Prozesse. Datenbanken ersetzen beispielsweise Listen, Produktbestände oder Produktionsketten werden digital überwacht und mithilfe von Sensoren, Scannern oder Codes verfolgt und kontrolliert. Dies verändert die Arbeitswelt, die Beschäftigten und damit auch die strategische Personalarbeit. Aber auch auf die Wirtschaft, die öffentliche Verwaltung und die Gesellschaft insgesamt. Und zwar zurzeit disruptiv.

Darauf müssen wir uns einstellen. Wir sind in Deutschland in Sachen Digitalisierung mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs, da erzähle ich Ihnen (vermutlich) nichts Neues. Im internationalen Vergleich stehen wir eher im oberen Mittelfeld. Deutlich weiter sind Länder wie Finnland, Dänemark, Schweden, die Niederlande oder auch Südkorea und die USA Gründe dafür liegen etwa im (unzureichenden) Breitbandausbau oder in der Zurückhaltung bei der Nutzung des sog. Cloud-Computing.

Einer Umfrage im Auftrag des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) zufolge sind die Deutschen aber nicht technophob. Eher im Gegenteil: 75 % der Befragten erwarten von der Digitalisierung mehr Vor- als Nachteile.

Digitalisierung – Blick über den Tellerrand

Und gute Beispiele gibt es genug, nicht nur im Industriesektor, sondern auch im Rahmen gesellschaftlicher Teilhabe – etwa das norwegische Unternehmen "No isolation". Das junge Unternehmen kreierte einen Mini-Avatar für Kinder und Jugendliche, die aufgrund einer chronischen- oder Langzeit-Erkrankung nicht am Schulunterricht teilnehmen können. Der Avatar – ein kleiner weißer Roboter – nimmt für das Kind den Platz im Klassenzimmer ein und lässt es über eine App am Unterricht teilnehmen.

Wie funktioniert das? Das Kind und der Roboter sind technisch miteinander verbunden. Alles, was im Unterricht geschieht, kann das Kind über die Augen und Ohren des kleinen Avatars miterleben. Und noch mehr: es kann sogar aktiv am Unterricht teilnehmen, da es über den Avatar auch mit seinen Klassenkameraden kommunizieren kann. So ist das Kind nicht abgeschnitten von der Außenwelt. Es kann teilnehmen, partizipieren und ist, wie der Name des Unternehmens schon andeutet: nicht isoliert! Dies Beispiel soll nicht heißen, dass wir – etwa in der Kinder- und Jugendreha – einen solchen Avatar bräuchten. Es ist aber ein schönes Beispiel für die Möglichkeiten und Chancen, die sich durch neue Technik ergeben. Dies sollte uns Mut machen!

Digitalisierung in der DRV



























Meine sehr geehrten Damen und Herren,
das Thema Digitalisierung beschäftigt natürlich auch die DRV Bund. Und zwar in vielerlei Hinsicht:

  • Wie verändert die Digitalisierung die Arbeitswelt?
  • Wie und (vor allem) auch wo wird oder kann Arbeit in Zukunft stattfinden?
  • Welche Chancen bietet uns die Digitalisierung – intern, im Arbeitsgeschehen, aber auch extern gegenüber unseren Kunden, den Versicherten?
  • Und wie kann Digitalisierung insbesondere Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen helfen?
  • All das sind Fragen, die wir uns stellen. Und die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahrzehnten durch den Einsatz von IT stark verändert. Dies gilt für private Unternehmen und die öffentliche Verwaltung gleichermaßen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
die RV als Massenverwaltung beschäftigt sich schon lange mit digitalen Prozessen. Der erste Großrechner stand schon 1956 in der BfA (62 Jahre) und vor über 40 Jahren gründete die Rentenversicherung eine gemeinsame Datenstelle, um mit Datenmeldungen zwischen Arbeitgebern und Rentenversicherung die Versicherungskarten und Beitragsmarken abzulösen. Die Kommunikation mit Privaten im Leistungsbereich lief aber weitgehend auf Papier. Heute kristallisiert sich neben der Vernetzung für den öffentlichen Sektor eine Schnittstelle besonders heraus. Die Perspektive der Kunden, unserer Versicherten und Rentner, erwartet einfache, anwendungsfreundliche, verständliche und effiziente Verwaltungsdienste. Was darunter aber im Einzelnen verstanden wird, unterscheidet sich zum Teil deutlich. Denn den Kunden, die Kundin gibt es bei uns nicht. Die Rentenversicherung begleitet ihre Versicherten (nahezu) ein Leben lang, von der Kinderreha bis hin zu Altersrentnerinnen und Altersrentnern, mit unterschiedlichen Erwartungshaltungen und Herangehensweisen.

Wir verfolgen deshalb eine Multikanalstrategie, um diesen unterschiedlichen Bedürfnissen Rechnung zu tragen. Dabei gehen wir auch neue und innovative Wege, die wir vernetzen werden. Das bleibt beim digitalen nicht stehen, sondern am Ende steht oft weiterhin der Bedarf nach einer schnellen persönlichen Beratung. Denn die Befragungen zeigen, dass selbst Jüngere den persönlichen Kontakt suchen und brauchen, wenn sie mit den "ersten Klicks" nicht weiterkommen. Eine solche Strategie ist aber nicht umsonst, sondern kostet Geld. Ein einfacher und niedrigschwelliger Zugang für unsere Versicherten ist uns dies aber wert!

Und ein niedrigschwelliger Zug ist für die öffentliche Hand und ihre Leistungen von elementarer Bedeutung, denn Digitalisierung hat nur Erfolg, wenn es einen

  • einfachen digitalen Zugang gibt und
  • einmal erhobene Daten mehrfach genutzt werden können.

Es muss funktional sein und einen Mehrwert haben. Und hier liegt der Hase im Pfeffer!

Denn die Erwartungshaltungen sind aufgrund der Erfahrungen im privaten Sektor gemeinhin hoch. Alles "quasi per Klick!" über eine App über das Smartphone zu steuern wäre vielen das Angenehmere. So weit sind wir in Deutschland aber noch nicht. Es fehlt für den öffentlichen Sektor gemeinsame einfache Authentifizierungsmöglichkeiten und eine sichere Datenverbindung. Ein einfacher Zugang, zum Beispiel über ein digitales "Bürgerportal", in dem zentrale und dezentrale Verwaltungsportale miteinander vernetzt sind und Daten nur einmal erhoben werden müssen, wie es sich die Regierungsparteien (im Koalitionsvertrag) vorgenommen haben, wäre ein Anfang.

Sehr geehrter Herr Flecken,
wenn es hier der Bundesregierung gelänge, mit den besten Programmierern ein solches auf höchstem Sicherheitsstandard ausgelegtes Portal zu entwickeln, so wären dies gut investierte Mittel. Und es würde viel Aufwand und Geld für die öffentliche Hand insgesamt einsparen. Denn es muss ins Bewusstsein, dass es ein Unterschied ist, ob ich mir online etwa ein Buch bestelle oder eine Reha durchführe. Denn in der Reha geht es um die Nutzung sozialer und vor allem medizinischer Daten; im Kern also um einen sensiblen Bereich der informationellen Selbstbestimmung. Wer darf welche medizinischen Daten einsehen, erheben, nutzen und schließlich auch beobachten und auswerten? Die Anforderungen an die öffentliche Hand sind hoch, ein Datenklau eher ein Alptraum. Die im Koalitionsvertrag genannten Punkte "Transparenz beim Datenschutz" und "sichere Kommunikationswege über eine mobile, digitale Authentifizierung" sind daher elementar. Denn es geht um Selbstbestimmung, Gesundheit und Teilhabe.

Wir werden heute und morgen dazu verschiedene Punkte in den Fokus nehmen und näher beleuchten. Freuen Sie sich auf spannende Vorträge und Präsentationen. Spannend und interessant wird mit Sicherheit auch der folgende Beitrag.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
es ist mir eine ganz besondere Freude, das Wort an Herrn Flecken übergeben zu dürfen.

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